Warum Waldschulkinder? Warum Naturschule?

Die Natur, die Wissen schafft!

„Die wahre Bildung besteht nicht in totem Wissen und leerem Gedächtniskram, sondern in lebendiger Entwicklung des Gemütes und der Urteilskraft», formulierte Ernst Haeckel. Er wurde 1824 in Deutschland geboren und war Mediziner, Zoologe und Philosoph. Seit genau hundert Jahren ist er tot – doch seine Definition von Bildung fasziniert noch immer – und bewahrheitet sich mehr und mehr. Bildung ist mehr als Wissen. Und Bildung beginnt meiner persönlichen Meinung nach in der Natur. Und mit Geschichten. Nicht nur als aktive Pädagogin, sondern auch als Mutter gelange ich mehr und mehr zu Überzeugung, dass Kindern der heutigen Zeit die Möglichkeit genommen wird, vernetzt und kreativ zu denken, poetisch zu fantasieren und handelnd zu erproben und zu erfahren, was sie sich als Wissen aneignen sollten.
Auch auf den ersten Blick „unnützes“ Wissen trägt enorm viel zur Bildung bei. Bildung heisst per Definition unter anderem:
• erworbenes Allgemeinwissen
• Kultiviertheit
• Verständnis für Zusammenhänge
• zu wahren Erkenntnissen gelangen
• ausgebildet sein
• Formung und Entfaltung der geistigen Kräfte
Bildung heisst also auch, Dinge zu verstehen, miteinander zu vergleichen und bei anderer Gelegenheit in einem anderen Zusammenhang wieder anwenden zu können. Zu dieser Allgemeinbildung darf darum ruhig auch ein wenig Allgemeinwissen kommen, das vielleicht schulisch grad nicht als oberste Kompetenz steht, dennoch früher oder später mithilft, Zusammenhänge zu verstehen.

Schule erleben, nicht erdulden
Menschen, die mit einer gewissen denkerischen Flexibilität und Kreativität ausgerüstet sind, kommen im Alltag besser klar, sind ausgeglichener, zufriedener und mitfühlender. Und was mehr als das könnten wir uns für unsere Kinder wünschen? Wir erwarten viel von den kommenden Generationen – und wir bürden ihnen jede Menge Verantwortung auf. Darum sollte ihre Kindheit nicht geprägt sein von Misserfolg, Angst und mangelndem Selbstwertgefühl.

Spätestens mit dem Lehrplan 21 ist es auch für Pädagoginnen und Pädagogen richtig und wichtig, handelndes, kompetenz- und fächerübergreifendes Lernen in ansprechender Lernumgebung in den Vordergrund zu stellen. Kinder sollen mit allen Sinnen erfahren und lernen, wie Aktionen und Reaktionen zusammenhängen. Draussen in der Natur bietet sich diesbezüglich eine schier endlose Spielwiese. Auf diese Spielwiese lädt die Naturbasisstufe der Waldschulkinder ein, um Kindern möglichst immer wieder die Gelegenheit zu geben, artgerecht zu lernen. Als Menschenkind heisst artgerecht, allen Fortschritten zum Trotz: Handelnd, mitten in der Natur, dem schönsten, vielfältigsten, buntesten Lernumfeld, das es gibt!

Artgerechtes Lernen
Es ist zum Glück längst klar, dass Wildtiere in Tierparks und Zoos so artgerecht wie möglich gehalten werden – also möglichst nahe an dem, was die Evolution sie in Millionen von Jahren gelehrt hat, möglichst kompatibel mit ihrem genetischen Rüstzeug. Das würde auch für menschlichen Nachwuchs gelten. Dass wir diesen sehr oft genau gegenteilig behandeln, hat viel mit der irrtümlichen Annahme zu tun, dass „Schmutziges und Wildes“ nicht gut sei für Kinder.
Aber: Auch moderne Menschen, die aus einer unendlich langen Evolutionsgeschichte hervorgehen, moderne Menschen nach der Industrialisierung und während der Digitalisierung, sind doch eben nur Geschöpfe, die von und mit der Natur geschaffen sind und sich von und mit der Natur entwickeln müssen. Evolution ändert nichts daran, dass das Menschsein immer noch an die Gesetzmässigkeiten der Natur gekoppelt ist.

Wohlbefinden und Beweglichkeit
Möglich, dass sich der Mensch in vielen tausend Jahren weg von der Natur entwickeln wird – momentan aber sind Körper und Geist noch sehr nahe am Ursprung. Warum? Mehr als 99 Prozent der Menschheitsgeschichte fanden draussen statt, fest verbunden mit der Natur. Ernährung, Bewegung und Lernen waren allesamt an die Natur gekoppelt. Nicht umsonst löst beispielsweise das Entzünden eines Feuers, das Zusammenstehen am Feuer bei den Meisten von uns wohlige, gute Gefühle aus. Wirkt das Rauschen des Meeres beruhigend oder entspannt der Regen, der aufs Dach prasselt. Und obwohl dem so ist, verwehren wir unseren Kindern sehr oft den Zugang zu diesen archaischen Erfahrungen. Mit allen Sinnen Lernen soll auch dem modernen Menschenkind möglich gemacht werden. Ohne diese Erfahrungen zu machen, verkümmert unser Geist – und unsere Seele sowieso. Burnout bei Primarschülern sollte eigentlich ein genug lauter Warnschuss sein. Ebenso die steigende Unbeweglichkeit und Gewichtsprobleme, die sich schon im Kindergartenalter bemerkbar machen.
Aus diesem und vielen anderen Gründen haben wir entschieden, den Campus Natur zu gründen - und als erstes mit der Naturbasisstufe „Siebenschläfer“ in der Region Worb ein neues, privates Schulangebot zu kreieren.